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Verhaltenstherapie & Gesundheitsberatung für Haustiere - Verkauf von Frostfleisch

Die Leckalopezie

Die Leckalopezie ist eine Verhaltensstörung bei Katzen, die bei allen Katzenrassen auftreten kann, dennoch tritt sie bei einigen Rassen vermehrt auf. (Oft betroffen sind: Birma, Siam, Abessinier und die Europäische Hauskatze.)

In meinem Praxisalltag muss ich leider immer wieder feststellen, dass es viele Halter gibt, die diesem Problem viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Dies möchte ich mit meinem Beitrag gerne ändern. 

Diese Verhaltensstörung äußert sich durch einen krankhaft stark ausgeprägten Putztrieb (Over- Grooming). Meist fangen die Katzen am Unterbauch an und arbeiten sich systematisch hoch, bis auch die Innenseiten der Vorder- und Hinterbeine kahl oder wund geleckt sind. In extremen Fällen geht es dann weiter bis zum Rücken. Je nach Rasse ist das Deckhaar und die Unterwolle unterschiedlich beschädigt. 

Einige Katzenbesitzer sehen dies nicht als so schlimm. Ich bekomme dann Antworten wie, da ist doch nur das Fell weg, nichts was weh tut. 
Schaut man sich jedoch die kahlen Stellen mal genauer mit einer Lupe an, so kann man je nach schwere der Erkrankung erkennen, dass die Haut leicht gereizt ist oder oft sogar schon entzündet ist. 

Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto schlimmer wird der Putztrieb. Wo am Anfang noch ein leichter Flaum stand, wird nun mit der rauen Zunge die nackte Haut bearbeitet. 
Jeder Katzenbesitzer kennt diese raue Zunge, Sie wissen wie rau sie ist, wenn die Katze auf ein und derselben Stelle leckt. Das hat eine ähnliche Wirkung wie Sandpapier. Dadurch kommt es zu Hautverletzungen, Hautinfektionen und sogar Geschwüre entstehen. Denn dauerhafte Entzündungen der Haut sind gefährlich. 

Doch nicht nur die Haut wird in Mitleidenschaft gezogen, auch die Speiseröhre, der Magen und der Darm haben aufgrund der vermehrten Haar-Aufnahme viel zu viel zu tun. Oft kommt es zu Erbrechen oder zu Verstopfungen. Der Katzendarm ist es zwar gewohnt mit Fell in Berührung zu kommen und diesen auch so verdauen bzw. auszuscheiden, doch ist er auf solche Massen nicht ausgelegt. 
Oftmals sind die ersten Anzeichen gar nicht so dramatisch und auch der Verdauungstrakt der betroffenen Katze kommt noch hinterher, ist dieses Problem jedoch dauerhaft, wird es leider zwangsweise zu Schwierigkeiten kommen und die ersten Nebenwirkungen treten auf.

Das größte Problem ist, dass die Katzen meist aus einem Grund anfangen, und völlig egal ob dies ein gesundheitlicher oder psychischer Grund ist, danach leider eine Gewöhnung eintritt. Einige Katzen hören mit dem Lecken gar nicht mehr auf, aus diesem Grund sehe ich schon im Anfang einer Leckstörung ein ernst zu nehmendes Thema. 

Was also tun, wenn sie diese Verhaltensstörung bei Ihrer Katze bemerken? Ist es denn eine Verhaltensstörung? Es gibt noch viele weitere Gründe, warum eine Katze Haarausfall (Alopezie) hat. 

  • gesundheitliche Probleme, darunter alle mit Juckreiz einhergehenden Erkrankungen 
  • Parasiten (Milben, Läuse, Haarlinge, Flöhe)
  • bakterielle eitrige Hautentzündungen (Achtung durch vermehrtes Lecken entstehen diese auch nebenbei und sind oftmals gar nicht die Ursache)  
  • Hautpilzerkrankung (oft erkennbar durch schorfige, spröde Haut oder massive Schuppenbildung, bitte einen Abstrich machen lassen BEVOR man ein Mittel gegen Hautpilze einsetzt) 
  • Allergien (Hausstauballergie, Futtermittelallergie, Flohspeichelallergie u.v.m.)
  • Hormon- und Stoffwechselstörungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion)
  • Bei Adenokarzinomen der Bauchspeicheldrüse äußert sich das auch durch haarlose Stellen sowie Durchfall und Erbrechen
  • Nebennierenüberfunktion, hier ist die  Haut sehr dünn und leicht verletzbar
  • Schmerzen eines Bauchorgans (Blase, Niere, Leber,)
  • Zuckerkrankheit kann bei Katzen zu Haarlosigkeit führen
  • Bei älteren Katzen sollte auch ein Epitheliotropes Lymphom ausgeschlossen werden
  • Autoimmunerkrankungen (Der eosinophile Granulomkomplex der Katze (EGK)) 


Sollte der Tierarzt nach einer gründlichen Ausschlussdiagnostik eine Leckalopezie bei Ihrer Katze feststellen, sollten Sie mit einer Verhaltenstherapie beginnen. 

Kommen wir nun mal zur Erklärung der Verhaltensstörung: Diese nennt man auch psychogene Leckerlopezie! 
Eindeutig geklärt warum unsere Tiere darunter leiden ist diese Thematik noch nicht. Stress und Angst sind aber aus meiner Erfahrung her die Hauptgründe. 
Wenn ein Tier Stress empfindet, muss das für den Halter gar nicht immer erkennbar sein, einige Halter verneinen die Frage, ob ihr Tier Stress hatte. 
Doch kann man das immer wirklich genau und mit Sicherheit verneinen? 
Jedes Individuum hat ein anderes Empfinden, selbst Alltagsgeräusche kann man an manchen Tagen als stressig empfinden und an andere Tagen stört uns dies nicht. 
Daher denke ich, dass es schwer ist, zu beurteilen, ob ein Tier Stress hat oder nicht. Sicher gibt es einige Symptome, an denen man starken Stress erkennen kann, jedoch leichter Stress wird so leider nicht angezeigt. 

Ich kann aus meiner Praxiserfahrung sagen, dass dieses vermehrte Lecken in jeder Altersklasse auftreten kann, jedoch konnte ich beobachten, dass es aber häufiger ab dem dritten Lebensjahr auftritt. Es kommt bei Freigängern genau wie bei reinen Stubentigern vor. 

 Was also tun? 

Viele Halter versuchen zunächst ihre Tiere selbst zu behandeln, da man aber meist bei seinen eigenen Tieren durch eine rosa Brille sieht, ist es ratsam sich an eine Katzenverhaltenstherapeuten/in zu wenden. 

Hier wird dann speziell auf Ihren Stubentiger hin, eine abgestimmte Therapie ausgewählt. Wie diese dann aussieht kann man nicht wirklich vorhersagen, denn die Therapie muss die Ursache behandeln, da ansonsten die Katze nicht aufhören wird zu lecken. 
Unterstützend kann man die Therapie mit Bachblüten, oder anderen beruhigenden Mitteln zusätzlich behandeln. Auch hier ist es wichtig, dass diese passend zum Tier verordnet werden und diese vor allem nicht die Therapie ersetzen. Bei der Auswahl der richtigen Bachblüten wird Ihnen die/der Katzenverhaltenstherapeut/in beratend zur Seite stehen, greifen Sie nicht zu einer Fertigmischung, denn Sie haben keine Katze aus dem Regal. Daher sollten die Bachblüten auch für Ihr Tier persönlich zusammengemischt werden. 

Was sollte man auf gar keinen Fall tun! 

Früher haben Tierärzte diese Verhaltensstörung als Hormonstörung behandelt. Zum Glück wird dies nur noch selten zu behandelt, aber dennoch möchte ich es hier erwähnen, dass Sie als Halter genau wissen, dass eine Hormonbehandlung hier nicht helfen kann. 

Auch lehne ich eine Dauerbehandlung mit Cortison ab. Sollte die Haut soweit kaputt geleckt sein, dass dahingehend schwere Entzündungen vorliegen ist manchmal eine Behandlung mit Cortison notwendig, aber dies sollte nicht eingesetzt werden, um das Lecken zu verhindern. Dies geht meist nie gut aus. Erstens, gibt es Nebenwirkungen die durch die Dauereinnahme entstehen können (erhöhte Infektanfälligkeit, gestörte Wundheilung, Diabetes mellitus uvm.) und zweitens löst dieses Medikament das Problem auch nicht. 

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