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Verhaltenstherapie & Gesundheitsberatung für Haustiere - Verkauf von Frostfleisch

Das Balance Board Teil 1 & 2

Viele kennen es aus dem Sport oder von den Spielkonsolen: das sogenannte Balance Board oder Wackelbrett. Interessant ist es jedoch nicht nur für uns Menschen. Auch Katzen können mit einem Balance Board fit werden und bleiben.

Das Balance Board birgt nicht nur jede Menge Spaßpotenzial. Es bringt insbesondere zahlreiche gesundheitliche Vorteile mit sich. So fördert es Gleichgewichtssinn und  Koordinationsfähigkeit, verbessert das Reaktionsvermögen und trainiert die Bein-, Rumpf- und Rückenmuskulatur ohne die Gelenke zu belasten. Vor allem Wohnungskatzen verfügen aus Mangel an naturnahen Kletter- und Balanciermöglichkeiten häufig über geringeres Körperbewusstsein und weniger Köperbeherrschung. Auch hier kann das Balance Board Abhilfe schaffen und der Katze zu einer besseren Körperwahrnehmung verhelfen. Außerdem steigert es die Konzentrationsfähigkeit und sorgt für geistige und körperliche Auslastung. 

Balance zu halten ist sehr anstrengend. Deshalb ist das Balance Board auch ideal geeignet, um überflüssige Pfunde loszuwerden. Und: Ältere oder rekonvaleszente (z.B. nach Operationen) Katzen können sanft zu mehr Mobilität angeregt werden. Wichtig ist hier jedoch, vorab den Tierarzt oder Physiotherapeuten um eine Einschätzung zu bitten, was sich die Katze zutrauen darf. Von Vorteil ist immer, wenn das Tier das Board schon kennt und mit ihm vertraut ist.    

Ebenfalls wichtig: das Training mit dem Balance Board sollte nicht nur Mittel zum Zweck sein. Sehen Sie es als Möglichkeit, Qualitätszeit mit Ihrer Katze zu verbringen, Zeit, die wertvoll für Sie beide ist, Ihnen beiden Freude bereiten und zu ein inniges, beiderseitiges Vertrauen fördern soll. Seien Sie geduldig. Vor allem am Anfang kann das Training ein wenig unbeholfen wirken. Doch auch das kommt Ihrem Tier zugute. 

Gerade für Wohnungskatzen ist das Balance Board aufgrund des fehlenden Auslaufes eine tolle Beschäftigung. Wie oben schon kurz erwähnt, sind Katzen mit Freigang sehr viel unterwegs, klettern auf Bäume, ziehen sich an Mauern hoch oder balancieren über Zäune und Äste. Reinen Stubentigern fehlen diese Möglichkeiten in der Regel. Meist bleibt ihnen nur der Kratzbaum, um sich auszupowern. Die Herausforderungen eines „richtigen“ Baumes kann der Kratzbaum jedoch nicht ersetzen. Hier bietet das Balance Board eine ideale Auslastungsmöglichkeit. 

Das Balance Training 

Für das Balance-Training brauchen Sie: 

- Clicker

- Leckerlis

-Balance Board 

1. Schritt: Das Board interessant machen 

Legen Sie das Balance Board in die Mitte des Raumes, in dem Sie trainieren möchten. Halten Sie Leckerlis und Clicker bereit. 

Rufen Sie Ihre Katze. Wenn sie kommt, beobachten Sie sie genau. Katzen sind von Natur aus sehr neugierig und bemerken jede Veränderung in einem Zimmer. Ihre Katze wird also, wenn sie den Raum betritt, sehr wahrscheinlich sofort das Balance Board entdecken. 

Schaut sie es das erste Mal an, belohnen Sie das mit einem Click & Leckerchen (C&B). Bestimmt wird die Katze weiteres Interesse am Board zeigen, z.B. näher kommen, es inspizieren, daran schnuppern. Jede Orientierung der Katze zum Board und jede Interaktion damit bestätigen Sie wiederum mit Click & Leckerchen. 

Sollte Ihre Katze das Board nicht mehr beachten, können Sie ihr das Board zeigen. Dies können Sie auf verschiedene Arten tun. 

1. Tippen Sie mit dem Finger auf das Board. Sobald Ihre Katze in Richtung Board schaut oder sogar hingeht: C&B. 

2. Wenn Ihre Katze sich nicht für Ihren Finger interessiert, nehmen Sie ein Leckerli zu Hilfe. Somit locken Sie die Blicke der Katze in Richtung Board. 

Wiederholen Sie dies ein paar Mal, sodass Ihre Katze versteht, dass es um das Board geht. Wichtig: Sie dürfen und sollen alles, was die Katze mit dem Board macht, belohnen, auch solches Verhalten, das mit auf-das-Board-steigen noch gar nichts zu tun hat. Die Katze soll erst einmal nur verinnerlichen, dass das Board ganz toll ist. Das motiviert sie dann auch, mehr damit anstellen zu wollen. 

Sobald Ihre Katze das verstanden hat, kann es mit Schritt 2 weitergehen. 

Schritt 2: die Katze soll eine Pfote auf das Board stellen 

Wenn Ihre Katze das Bodentarget kennt, haben Sie es nun leichter. Sie geben einfach Ihr Signal für „antippen“ und clicken und belohnen, wenn die Katze das Board mit der Pfote berührt. Wiederholen Sie die Übung wieder und wieder, bis Ihre Katze zuverlässig das Balancebord mit der Pfote antippt.    

Kennt Ihre Katze kein Bodentarget, können Sie hier sehen, wie Sie ein entsprechendes Training aufbauen:


Oder Sie animieren die Katze anderweitig, das Board mit der Pfote zu berühren. Das kann beispielsweise durch ein leichtes Kratzen am Board oder Sie versuchen durch leichtes Kratzen oder Klopfen am Board geschehen. 

Denken Sie auch hier daran, jeden noch so kleinen Schritt durch C&B zu belohnen. Belohnenswert ist jede winzige „Pfoten-Interaktion“ der Katze in Bezug auf das Board, etwa ein einfaches Heben der Pfote oder ein leichtes Streifen des Boards. Wie immer im Training ist der Weg das Ziel! Wiederholen Sie diesen Teilschritt wieder ausgiebig. 

Tippt Ihre Katze irgendwann zuverlässig mit dem Pfötchen auf das Board, dehnen Sie ganz behutsam die Verweildauer der Pfote auf dem Board aus. Warten Sie zunächst nur eine halbe Sekunde länger mit dem Click, sodass die Katze das Pfötchen noch eine halbe Sekunde länger auf dem Board lässt. Wenn das klappt, warten Sie eine Sekunde, anderthalb, zwei. Halten Sie die Verweildauer variabel. Das bedeutet, dass Sie nicht einfach immer länger warten sollten, bis Sie clicken und belohnen, sondern dass Sie nach einer Sekunde wieder auf eine halbe zurückgehen, dann wieder auf eine hoch, dann auf anderhalb, auf zwei, anderthalb, zweieinhalb und so fort. Gehen Sie stets ein kleinen und kleinsten Schritt voran, denn das gewährleistet, dass die Katze keine Fehler machen kann. 

Mit einem Hund können Sie das Training übrigens gleichermaßen gestalten.    

Schritt 1 und 2 im Video:


Balance Board Teil 3 & 4


In dem ersten Beitrag über das Balance Board haben Sie erfahren, wie man mit dem Balancebord anfängt.

Heute möchte ich Ihnen zeigen, wie es weiter geht im Training.

Ihre Katze tippt nun für einige Zeit das Board verlässlich an. 

Der nächste Schritt wird sein, dass die Katze beide Pfoten aufs Brett stellt. Dazu gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten:

1. Wenn Ihre Katze mit dem Nasentarget gut arbeitet, können Sie sie damit locken, sodass sie beide Pfoten auf Board stellen muss.

2. Wenn Ihre Katze das Nasentarget nicht kennt, können Sie sie auch mit einem Leckerli locken. 

Wichtig ist bei beiden Möglichkeiten, dass Sie sofort Clicken sobald Ihre Katze das zweite Pfötchen anhebt. Denn auch hier ist wieder kleinschrittig zu arbeiten, somit hat Ihre Katze keine Chance Fehler zu machen und Sie können sie ausgiebig belohnen.

Sie zeigen so Ihrer Katze, dass es sich lohnt die 2 Pfoten einzusetzen, somit wird sie auch ziemlich schnell auf dem Board mit beiden Vorderpfoten stehen.

Bitte locken Sie Ihre Katze noch über die Mitte herüber, denn hier würde das Board kippen, und eventuell den Bauch der Katze streifen. Dies kann die Katze erschrecken. Da die Katze noch nicht sicher mit der Übung ist, kann dies große Rückschritte bedeuten. Denn erst wenn man etwas richtig kann, darf es auch schwerer werden. 

Je nach Bedarf kann an dieser Stelle das erste Kommando eingesetzt werden, (z.B. rauf, hoch)

Ob mit oder ohne Kommando, üben Sie diesen Schritt einige Tage, nur so kann Ihre Katze ein Gefühl für das wackelnde Board entwickeln und der nächste Schritt wird nicht so schwer.

Schauen Sie Ihrer Katze beim Training zu, Sie werden merken: je länger Sie diesen Schritt üben, umso sicherer wird Ihre Katze.

Wenn man ein Kommando einführen möchte, geht dies sehr leicht. Sie sagen einfach Ihr Kommando und locken die Katze wieder aufs Board. Click und Belohnung. Es dauert oft ein bisschen aber Sie werden merken, nach einigen Tagen sagen Sie Ihr Kommando und die Katze geht aufs Board.

Anhand des Fotos können SIe sehen wie dieser Schritt aussehen darf. 

Da Ihre Katze nun sicher mit oder ohne Kommando aufs Board kommt, können Sie einen Schritt weiter gehen. Dieser Schritt kann für einige Katzen ein kleiner Rückschritt sein, weil das Board seine Stellung ändern wird während die Katze draufsteht. Dadurch wird das Tier verunsichert. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen.
 
Ihre Katze steht mit beiden Vorderbeinen mittig auf dem Brett, locken Sie sie nun etwas weiter, immer kleinschrittig und jeder kleine Schritt wird geclickt, nur so wird das Wackeln und Kippen positiv verknüpft. Wenn die Katze weiter nachkommt wird das Board irgendwann kippen. Belohnen Sie diesen Kippvorgang besonders (Extra Leckerli, Streicheleinheit usw.)
Diesen Kippvorgang sollten Sie lange und sehr ausgiebig üben. Einige Katzen finden diesen Vorgang gar nicht schlimm, andere wiederum wollen nun kaum noch aufs Board.
Für Katzen denen der Kippvorgang nicht gefällt, heißt es nun, mit Geduld die bisherigen Schritte zu wiederholen. Stück für Stück wird auch die ängstlichste Katze merken, dass es doch positiv ist wenn das Board kippt.
Gemeinsam diesen schweren Schritt schaffen!! Das ist eine Übung wo Sie ganz viel an der Bindung zu Ihrer Katze arbeiten.
 
Sobald Ihre Katze es geschafft hat und nun sicher aufs Board geht und es kippen lässt, hat Ihre Katze gelernt, dass die Übung mit dem Board auch manchmal ziemlich wacklig sein kann, dies aber nicht schlimm ist.
 
 

Am Ende der Übung soll das Ganze so aussehen: